Konsultationsreihe: „Was bleibt nach Corona? Reflexionen auf kirchliches Handeln und Perspektiven für die Kirche“

Quelle: coldsnowstorm/ iStock

Projektleitung: Prof. Dr. A. Katarina Weilert, LL.M. (UCL) (FEST), Dr. Yannick Schlote (EKD)
 
Datum:           2026-2027, erste Konsultation am 22. und 23. Oktober 2026
Ort:                 Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Heidelberg
 
Die Evangelische Kirche in Deutschland nimmt mit der Konsultationsreihe die Covid-19-Pandemie als eine Zeit tiefgreifender kirchlicher, gesellschaftlicher und geistlicher Bewährung in den Blick. Ziel ist es, die Erfahrungen und Spannungen dieser Jahre zu sammeln, und Entscheidungen gemeinsam kritisch zu prüfen, theologisch und kirchlich einzuordnen und Erkenntnisse für künftiges kirchliches Handeln offenzulegen.
 
Die Konsultationsreihe soll unterschiedliche Sichtweisen aufzeigen, innerkirchliche Konflikte aus der Corona-Zeit benennen und den kritischen Diskurs hierüber eröffnen. Auch starke Emotionen sollen dabei nicht übergangen, sondern so aufgenommen werden, dass ein sachlicher und versöhnlicher Ton möglich wird, der weder beschönigt noch spaltet.
 
Im Zentrum stehen die vielfältigen Etappen des Pandemiemanagements der evangelischen Kirchen: der Umgang mit staatlichen Vorgaben, die Zusammenarbeit von Kirche und Staat, die innerkirchliche Entscheidungsfindung, die Kommunikation der Entscheidungen nach außen, die Rolle kirchlicher Leitbilder und theologischer Begründungen sowie die Frage, wo die Kirche ermutigend, wo stützend und wo möglicherweise zu bzw. zu wenig eigenständig gehandelt hat. Dabei muss der Dynamik der Pandemie Rechnung getragen werden: der Mutation des Virus selbst mit den dadurch veränderten gesundheitlichen Risiken, dem sich verändernden Wissensstand sowie den wechselnden Formen staatlichen Handelns und gesellschaftlicher Zustimmung.
 
Auch die Perspektive der Betroffenen soll systematisch einbezogen werden: Wer stand im Fokus, wer fiel aus dem Raster (etwa einsame Menschen, verunsicherte Gemeindeglieder, Trauernde, Engagierte in Seelsorge und diakonischen Diensten sowie weitere Personen, die sich durch kirchliche Entscheidungen ausgeschlossen oder wenig gesehen fühlten). Gerade dort, wo Gottesdienste ausgesetzt, Zugänge beschränkt und Menschen sich moralisch stigmatisiert fühlten, soll kritisch geprüft werden, was dies für die Glaubensgemeinschaft, die Zugehörigkeit und das Vertrauen in Kirche bedeutet hat.
 
Die Konsultationsreihe soll in eine Ausarbeitung von etwa vierzig bis fünfzig Seiten münden. Diese soll weder Sammelband noch Konsenspapier sein, sondern ein plural gestaltetes Dokument, das die Probleme erschließt, Fehler erkennt und benennt, Entscheidungen kontextualisiert, Erfahrungen vergegenwärtigt und konkrete Perspektiven für künftiges Pandemiemanagement der Kirchen formuliert. Möglich sind dabei einordnende Texte, Testimonials, Interviews, Fallstudien, Textkritiken früherer Verlautbarungen. Um eine allzu allgemeine Darstellung zu vermeiden, erscheint es sinnvoll, die Analyse entlang von vier bis fünf neuralgischen Punkten der Pandemie zu strukturieren: etwa Ostern 2020 als Phase des ersten Lockdowns, Weihnachten 2021 im Kontext von 2G-Regelungen und Impfpflichtdebatten, die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zur Triage sowie der Kippmoment in der öffentlichen Zustimmung zu den Corona-Maßnahmen.
 
Die Arbeitsform ist bewusst kooperativ: Alle am Konsultationsprozess Beteiligten bringen sich ein, mindestens durch Leitfragen und Textbausteine. Die Konsultationen erfolgen zwischen Herbst 2026 und Frühjahr 2027. Die Fertigstellung ist bis Sommer 2027 vorgesehen; das Ergebnis wird dem Rat der EKD vorgelegt.
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Ansprechpartner

Prof. Dr. iur. A. Katarina Weilert LL.M. (London)

Leiterin (kommissarisch) des Arbeitsbereichs "Religion, Recht und Kultur" & Wissenschaftliche Referentin (Rechtswissenschaft)