Politische Kirche – religiöse Politik?

Heidelberg, 21. Oktober 2025 – Unter dem Titel „Politische Kirche – religiöse Politik?“ luden die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) und der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in Deutschland (aeu), Regionalgruppe Rhein-Neckar-Pfalz, zu einem Gesprächsabend über das Verhältnis von Kirche und Politik ein. Rund 25 Teilnehmende folgten der Einladung in die FEST in Heidelberg, um gemeinsam über Selbstverständnis, Verantwortung und Abgrenzung der Kirche im politischen Raum zu diskutieren.
 
Nach einer Begrüßung durch die Gastgeber führte Dr. Rasmus Nagel, wissenschaftlicher Referent für Theologie an der FEST, mit einem pointierten Vortrag in das Thema ein. Unter dem Titel „Gefräßige Biester. Ein Vortrag zu Politik und Kirche“ beschrieb Nagel Religion und Politik als tendenziell übergriffige Größen. Beide Bereiche hätten das Potenzial, zu eskalieren, persönlich zu werden und das Ganze des Lebens in Beschlag zu nehmen.
 
Anhand aktueller Beispiele – von der Debatte um Symbole im Bundestag über die theologischen Bezüge im Denken US-amerikanischer Unternehmer wie Peter Thiel bis hin zu Fragen der politischen Theologie bei Carl Schmitt und Ernst-Wolfgang Böckenförde – zeigte Nagel auf, dass sich das Verhältnis von Religion und Politik derzeit neu justiere. „Vielleicht haben wir uns an eine zahnlose Form des Politischen und eine zahnlose Form des Christlichen gewöhnt, die gerade deshalb scheinbar gut miteinander auskommen“, so Nagel. Aufgabe der Kirche sei es, die symbolischen Ressourcen des Unbedingten und Absoluten christologisch und eschatologisch zu differenzieren und so dem Politischen zu entziehen – in „engagierter Distanz“ zum politischen Geschäft.
 
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten der Referent, Prof. Dr. Katarina Weilert LL.M. (FEST), Rolf-Dieter Schiermeyer (aeu) und Stadtdekan Ralph Hartmann (Evangelische Kirche in Mannheim) unter der Moderation von Prof. Dr. Magnus Schlette (FEST) über Grenzverläufe und gegenseitige Verantwortlichkeiten von Kirche und Politik. Während Schiermeyer aus unternehmerischer Sicht auf die Notwendigkeit gesellschaftlicher Orientierung verwies, betonte Weilert die verfassungsrechtliche Spannung zwischen religiöser Neutralität und historischer Prägung des Gemeinwesens. Hartmann schließlich plädierte für eine Kirche, die „nicht unpolitisch, aber auch nicht parteipolitisch“ agiere und ihren Beitrag zur demokratischen Kultur aus dem Evangelium herleite.
 
Im offenen Gespräch mit dem Publikum wurde deutlich, dass die Frage nach der „politischen Kirche“ nichts an Aktualität verloren hat. Bei Getränken und Imbiss in der Picht-Bibliothek klang der Abend in lebhaften Gesprächen aus.
 
Die Veranstaltung wurde unterstützt von SZA Schilling, Zutt & Anschütz, Mannheim.
Ansprechpartner

Dr. Rasmus Nagel

Wissenschaftlicher Referent Arbeitsbereich "Theologie und Naturwissenschaft" (beurlaubt)